Unterwegs im Alltag – Mit einem Oldtimer?

Die Entscheidung ein über 30 Jahre altes Mokick als Alltagsfahrzeug zu nutzen, wirft natürlich ein paar Fragen auf. Wie sicher ist das Gefährt?
Wie gut kann ich mich damit im heutigen Verkehr bewegen?
Wie zuverlässig ist die alte Technik?
Um es auf eine Frage zu reduzieren: Wie alltagstauglich kann ein Oldtimer sein?

Was kann die S51? – Die Technik unter der Lupe

Die S51 bringt es mit einer Leistung von 2,72 kW auf eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 60 km/h. Bei einem Leergewicht von 79,5 kg ergibt sich daraus ein Verhältnis von 0,0342 kW pro kg. Natürlich geht diese Berechnung vom fahrerlosen Mokick aus.
Aber so wird halt gerechnet, um die Leistungsdaten von verschiedenen Zweirädern miteinander vergleichen zu können.
Also denk‘ dran: Dein Gewicht als Fahrer musst du noch mit draufpacken, um praxistaugliche Werte zu bekommen.
Den nackten Zahlen nach sollte der Sprint auf 60 km/h zwischen 20-25 Sekunden möglich sein.
Gebremst wird die S51 von zwei Trommelbremsen mit 125mm Durchmesser. Im Gegensatz zu Scheibenbremsen müssen die Trommelbremsen eingestellt und nachgestellt werden. Das schließt auch den Bremslichtschalter am Hinterrad mit ein, dessen Einstellung zumindest bei den ersten paar Malen sehr frickelig ist. Mich hat das anfangs schon ein paar Nerven gekostet, aber wenn du das Prinzip verstanden hast, geht das Nachstellen später leicht von der Hand.
Richtig eingestellte Trommelbremsen bremsen zuverlässig und sicher. Deshalb solltest du mindestens einmal im Jahr die Bremsbeläge ausbauen, Beläge und Trommel reinigen und die Bremse nachstellen.

Was können die neuen Roller?

Als Vergleichsobjekt ziehe ich aus Nostalgiegründen eine TPH 50 2Takt von Piaggio heran. Nostalgie deshalb, weil eine TPH 50 mein erster Zweitakter war. Damals waren Roller in und Mopeds out, also fuhr man Piaggio TPH, Zip, Aprilia SR und co. als 50ccm-Version. Die heutige TPH 50 hat als Zweitakter eine Leistung von 3 kW bei einem Leergewicht von 106 kg. Dies entspricht einem Verhältnis von 0,0283 kw pro kg. Es gilt also auch heute immer noch: Roller sind dick und schwer…
Gebremst wird das schwere Gerät mit einer hydraulischen Scheibenbremse vorn und einer Trommelbremse mit 139mm Durchmesser hinten. Auch diese beiden Bremsen müssen gewartet werden, aber mit etwas kleinerem Aufwand als an deiner Simson. Die Beläge sollten auch hier einmal im Jahr kontrolliert werden, das Nachstellen erledigen beide Bremsen von selbst. Dann muss nur noch der Bremsflüssigkeitsstand kontrolliert werden.

Der Vergleich – ist die S51 heute von gestern?

Was kann ich mit einer S51 im heutigen Verkehr anfangen? Bin ich gnadenlos untermotorisiert oder kann ich gut im Verkehr mitschwimmen? Wie wir inzwischen wissen, schneidet die S51 beim Verhältnis Leistung/Gewicht gegenüber der TPH sogar besser ab.
Grund ist das geringere Leergewicht. Roller sind eben ein gutes Stück schwerer als ein Mokick alter Bauart.
Um den Vergleich auf etwas breitere Beine zu stellen, habe ich noch die Leistungdaten von drei anderen 50ccm-Rollern aufgeführt:

[Piaggio TPH 50 2Takt 3,0kw-106kg-0,0283kw/kg]
[Piaggio NRG 50 3,3kw-107kg-0,0308kW/kg]
[Aprilia SR Motard 50 3,0kW-106kg-0,0283kW/kg]
[GMX 450 Sport 2,4kW-102kg-0,0235kW/kg]
[S51 2 72kW-79,5kg-0,0342kW/kg]

Leistungsmässig bist du mit einer S51 also sehr gut aufgehoben im aktuellen Verkehr. Dich wird man nicht als langsames Hindernis wahrnehmen und du bist im richtigen Gang auch immer spritzig genug unterwegs.

Was die Bremsen angeht, bist du auch im heutigen Verkehr sicher unterwegs, wenn du stets daran denkst, dass du „nur“ mit Trommelbremsen fährst und deswegen etwas mehr Abstand hältst als mit einem scheibengebremsten Moped.

Die Zuverlässigkeit – das A und O

Nachdem wir Leistung und Bremsen unter die Lupe genommen haben, kommen wir nun zum vielleicht wichtigsten Punkt: die Zuverlässigkeit im Alltag. Das Moped soll dich nicht nur sicher sondern auch möglichst immer ans Ziel bringen. Bei einem über 30 Jahre alten Fahrzeug gibt es natürlich einige Unterschiede zur heutigen Technik. Vieles wird da durch die Ansicht „früher war alles besser“ verklärt. Wenn man an die „gute alte Zeit“ zurückdenkt, kommen einem meistens nur die positiven Erinnerungen in den Sinn. Kindheitserinnungen sind da ein gutes Beispiel. Die Mitfahrt im VW Käfer an den Gardasee bleibt im Gedächnis, aber von den häufigen Servicediensten, die oft während der Rast vom Tankwart an der Tankstelle erledigt wurden, bekam man nichts mit oder hat es einfach vergessen. An den Autos und Mopeds von damals musste einfach öfter etwas ein- oder nachgestellt werden, da sich manche Bauteile verstellten oder abnutzten.

Deshalb ist es wichtig, alle Bauteile richtig einstellen und bei Bedarf bzw. nach Wartungsplan nachstellen zu können.
Ob und wie das bei mir funktioniert, wirst du in meinem Alltagstagebuch und in den jeweiligen Anleitungen dann lesen können.

Jetzt freue ich mich erstmal darauf, mein kleines Alltagsabenteuer zu beginnen.

Bis dann,
der Knoddler

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